Kung Fu
武术
"Lerne, als könntest du es nie errreichen und als müsstest du fürchten, es wieder zu verlieren."
Weisheit aus dem Shaolin Tempel
Formen beinhalten und überliefern das technische Know-How eines Kampfkunststils. Das Training der Formen ist ein wesentlicher Aspekt der chinesischen Kampfkünste. Der Übende erwirbt und verbessert seine technischen Fertigkeiten, steigert seine physische Leistungsfähigkeit und harmonisiert den Energiefluss (Qi) in seinem Körper.
Das Waffentraining schult in besonderem Maße Körperbeherrschung, Timing, Präzision und Reaktionsvermögen. Alle Waffen haben ihr eigenes Qi und man muss lernen, wie man das nötige Gefühl dafür erweckt. Jede Waffe wird als Verlängerung des Arms betrachtet und muss mit absoluter Harmonie zwischen Körper und Geist geführt werden. Nur langjähriges Training versetzt einen in die Lage, eine Waffe mit leichten, natürlichen Bewegungen und millimetergenauer Präzision zu führen.
Die Waffentechniken des Shaolin Kung-Fu sind im Laufe vieler Generationen entstanden und beinhalten ein sehr breit gefächertes Spektrum der verschiedensten Waffentypen. Die Hauptwaffen sind der Stock, der Speer, das gerade Schwert und der Säbel. Diese und einige weitere interessante und wichtige Waffen wollen wir im folgenden kurz vorstellen:
Der Stock (Gun) ist der Ursprung aller Waffen. Seine Bewegungen sind einfach, doch im Kampf äußerst wirksam. Es ist eine Waffe mit einer sehr großen Reichweite, die sowohl gegen bewaffnete als auch gegen unbewaffnete Gegner eingesetzt werden kann. Der Stock ist hervorragend dazu geeignet, um den Gegner auf Distanz zu halten. Mit ihm kann man sich den verschiedensten Waffen zu Kampf stellen ohne sich dabei in einer unterlegenen Position zu befinden.
Die Techniken sind sehr viefältig: Man kann schlagen, dem Gegner die Beine wegziehen, mit der Spitze zustechen und vieles mehr. Er rotiert in den Händen und befindet sich in ständiger Bewegung.
Der Säbel (Dao) gehört mit zu den ältesten chinesischen Waffen. Während das gerade Schwert (Jian) die bevorzugte Waffe der Adligen war, wurde der Säbel hauptsächlich von den Kriegern und Soldaten verwendet.
Die leicht gebogende Klinge besteht aus einer Schneide und einen stumpfen Rücken. Die Waffe wird mit kreisenden Bewegungen mit der stumpfen Seite eng um Hals und Körper geführt und die Techniken werden mit Einsatz der gesamten Körperkraft ausgeführt. Dadurch erhalten die Schläge eine große Wucht. Der Säbel wird hauptsächlich als Hieb- und Schnitt- und seltener als Stichwaffe verwendet.
Der Säbel existiert in einer Vielzahl von Varianten. Bei der am häufigsten verwendeten Ausführung ähnelt die Form der Klinge einem Weidenblatt (Liuye Dao).
Der Speer (Qiang) gilt in China als der "König der Waffen". Wegen seiner unkomplizierten Herstellung war er die am häufigsten vorkommende Waffe auf den historischen Schlachtfeldern. Typische Merkmale des chinesischen Speeres sind die in Form eines Blattes ausgeführte Klinge und die direkt darunter angebrachte Quaste aus rotem Rosshaar. Diese hat zum einen die Aufgabe, dem Gegner das Erkennen der Angriffe zu erschweren, und zum andern soll sie verhindern, dass Blut den Schaft herunterfließt und die Griffsicherheit beeinträchtigt.
Der Speer ist ein Waffe mit großer Reichweite, die vor allem für Stöße mit der Spitze gedacht ist. Die Blocktechniken werden ähnlich wie beim Stock ausgeführt. Außerdem können mit dem Speer Angriffe mittels kreisförmigen Bewegungen auf vertikalen oder diagonalen Weg abgeleitet werden.
Charakeristisch für das Schwert (Jian) ist die gerade, doppelschneidige Klinge. Es ist die komplexeste und schwierigste Waffe in den chinesischen Kampfkünsten. Ein chinesisches Sprichwort besagt: "Um den Säbel zu beherrschen braucht man 100 Tage, aber um das Schwert zu beherrschen, können auch 10000 Tage nicht reichen". Im Gegensatz zum Säbel wird für die Ausführung der Techniken kein großer Kraftaufwand benötigt und die technischen Möglichkeiten sind weitaus größer. Die beidseitige Schnittfläche ermöglicht einen schnellen Richtungswechsel, ohne den beim Säbel nötigen Bewegungsaufwand.
Das Erlernen der Schwertform stellt hohe Anforderungen. Die komplexe Fussarbeit und die schnellen aufeinanderfolgenden Körperdrehungen erfordern viel Übung. Bei korrekter Handhabung liegt das Schwert fast schwerelos in der Hand. Es ist in der Hand eines Experten eine effektive und gefährliche Waffe.

Die Hellebarde (Guan Dao) war die Waffe und das Statussymbol der Offiziere. Von dieser Waffe, die ursprünglich für den Kampf zu Pferde entwickelt wurde, exitieren heute ca. 40 Varianten. Sie geht zurück auf den General Kwan Yu, der zur Zeit der drei Reiche (220 – 280 n.Chr.) lebte.
In der ursprünglichen Ausführung ist das Guan Dao eine sehr schwere Waffe mit einer Klinge aus reinem Gusseisen, die in ihrer Form einem Halbmond ähnelt. Die "Grüne Drachen Halbmond Hellebarde" des Generals Kwan Yu wog fast 50 kg. Die Schneide ist scharf geschliffen und und ermöglicht ähnliche Aktionen, wie mit einem Säbel. Auf der Rückseite der Klinge gibt es scharfe Erhebungen und dort ist auch eine rote Quaste (das Chui-Feng) befestigt. Sie dient dazu, die Aufmerksamkeit des Gegners zu beeinträchtigen. Der Stiel besteht aus hartem Holz. Am anderen Ende befindet sich ein metallener Stachel, der als Waffe eigesetzt werden kann, aber auch als Gegenwicht zur schweren Klinge dient.
Aufgrund der Größe und des Gewichts des Kwan Dao ist die sehr genaue Ausführung der Bewegungsabläufe enorm wichtig. Ansonsten kann die Waffe nicht mit der nötigen Wucht und Schnelligkeit geführt werden bzw. man läuft Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren. Eine leichtere Ausführung, die häufig in Kung-Fu-Formen verwendet wird, ist das Pu Dao.

Die Ursprünge der Hakenschwerter (Shuang Gou) liegen in der Periode der Streitenden Reiche (770 - 221 v.Chr.). Die Haken wurden benutzt, um die Beine der Pferde zu verletzen oder Reiter aus dem Sattel zu heben. Im Laufe der Zeit hat die Gestalt der Hakenschwerter zahlreiche Veränderungen erfahren, bevor die heute gebräuchliche Form entstanden ist.
Der Haken dient dazu, die Waffe des Gegners einzufangen und ihn zu entwaffnen. Mit der geschärften Spitze des Hakens können dem Gegner punktuelle Verletzungen zugefügt werden. Über dem Griff des Hakenschwerts befindet sich eine halbmondförmig gebogene Klinge, mit der Angriffe ausgeführt werden können und die außerdem noch als Griffschutz dient.
Bei der Anwendung werden die Klingen in der Regel parallel geführt. Mit dem einen Schwert wird die Waffe des Kontrahenten neutralisiert und mit der anderen gleichzeitig eine Angriff ausgeführt.


Im alten China führten reisende Mönche häufig einen Spaten (Yue Ya Chan) mit sich. Damit konnten die Mönche ihrer frommen Verantwortlichkeit gegenüber den Toten entsprechen, indem sie sie begruben. Zudem war dieses schwere Werkzeug eine gute Waffe zur Abwehr von Banditen. Die halbmondförmige Klinge am anderen Ende des Spaten wurde erst später ergänzt. Sie dient als Gegengewicht, um die Waffe besser auszugleichen und um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.
Der Spaten ist eine vielseitige Waffe für variable Verteidigungs- und Angriffstechniken. Aufgrund von Größe und Gewicht ist auch hier die Einhaltung exakter Bewegungsabläufe für eine präzise und schnelle Führung der Waffe sehr wichtig.


Der Stock des Boddhidarma (Damo Zhang) ist eine weniger bekannte Waffe. Er ähnelt einem Spazierstock, wie ihn ältere Menschen benutzen. Der Stock ist sehr vielseitig und ermöglicht ein großes Repartoire an Anwendungen. Er kann schnell in den Händen und um den Körper gewirbelt werden. Viele, vom Stock (Gun) bekannte Techniken, können verwendet werden. Mit dem hammerählichen Griff kann geschlagen oder Angriffe blockiert bzw. der Gegner entwaffnet werden.